Aktion Transparenz: Studienregistrierung am USB

Im Schulterschluss mit dem Departement Klinische Forschung (DKF) geht das Universitätsspital Basel neue Wege, um die Veröffentlichung von Ergebnissen aus klinischen Studien zu fördern.

«Studienskandal», titelte die Sendung «Puls» im Schweizer Fernsehen SRF Anfang Februar. Gemeint war die Vielzahl klinischer Studien, die gemäss Recherchen des Magazins in der Schweiz unveröffentlicht in der Schublade landen. Besonders im Visier der Journalisten stehen dabei die Universitätsspitäler, die 20-30% der dort laufenden Studien nie publizieren.

Dass Forschungsergebnisse häufig nicht publiziert werden, ist bekannt. Einer der Hauptgründe liegt darin, dass Studien mit negativen Ergebnissen schwerer in einem Fachjournal unterzubringen sind als solche mit positiven Resultaten. Auch Studien, die vorzeitig abgebrochen werden, haben es bei der Publikation schwer, weil die Studienfrage dann meist nicht statistisch valide beantwortet werden kann. 

Die Universitätsspitäler stehen in der Pflicht, denn hier wird der Grossteil der klinischen Studien in der Schweiz durchgeführt. Damit haben sie eine besondere Verantwortung: Verantwortung gegenüber den Patientinnen und Patienten, die an einer Studie teilnehmen und dafür gewisse Risiken oder Unannehmlichkeiten auf sich nehmen. Verantwortung aber auch gegenüber der nachfolgenden Generation an forschenden Ärztinnen und Ärzten, die ausgebildet werden und an Vorbildern lernen sollten.

Unterstützung durch Fachleute
Am Universitätsspital Basel (USB) hat man die tiefen Publikationszahlen bereits kurz nach dem Bekanntwerden ernst genommen. Schnell wurde klar, dass man als Institution an den Publikationszahlen nur dann etwas ändern kann, wenn man die Ausgangslage kennt. Das bedeutet, um überprüfen zu können, ob Daten aus klinischen Versuchen veröffentlicht werden, muss zunächst bekannt sein, welche Studien überhaupt laufen. Um das sicherzustellen, müssen alle klinischen Studien vor Beginn in einem öffentlichen Register erfasst werden. Seit 2018 finanziert das Spital nun zwei Mitarbeitende am DKF, die klinisch Forschende bei der methodischen Planung, Registrierung und späteren Publikation ihrer Studien unterstützen.

Bettina & Emilie

Dr. Bettina Bannert und Emilie Müller, MA, vom DKF beraten Forschungsgruppen bei der Eingabe ihrer klinischen Studie im Register clinicaltrials.gov. Sie stellen sicher, dass die Bedingungen für eine Freigabe der Studie erfüllt werden. Die prospektive Registrierung klinischer Studien ist vom International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE) vorgegeben und gilt immer häufiger als Voraussetzung für eine Veröffentlichung in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift.

Die Massnahme zeigt Wirkung
Eine Auswertung von Thomas Fabbro, PhD, Leiter Forschungsinfrastruktur und Constantin Sluka, PhD, Leiter Data Sciences, am DKF hat ergeben, dass das neue Angebot bereits nach kurzer Laufzeit erstaunliche Wirkung zeigt: Nicht nur die Registrierungsqualität, sondern auch die Registrierungsrate der am USB laufenden prospektiven Studien hat sich seither verdoppelt (siehe Grafik). Im Jahr 2019 wurden 87 Studien registriert. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Durchschnitt der Vorjahre 2013 bis 2017.

Studienregistrierung

Die Registrierungsrate prospektiver Studien am USB hat sich mehr als verdoppelt, seit Forschende bei der Erfassung und Pflege von Studiendaten in öffentlichen Registern unterstützt werden.

Departement Klinische Forschung, Juni 2019, Update Graphik Januar 2020