3. August 2026

Neue Ergebnisse aus der Forschungsgruppe Jens Kuhle (DKF, DBM und RC2NB) zeigen, dass erhöhte Konzentrationen des Blutmarkers Glial Fibrillary Acidic Protein (GFAP) mit einem erhöhten Risiko für eine Zunahme der krankheitsbedingten Beeinträchtigungen verbunden ist. Das könnte bedeuten, dass mithilfe von GFAP-Blutwerten künftig Krankheitsverläufe von Menschen mit MS präziser überwacht und vorausgesagt werden könnten.

Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, Krankheitsverläufe künftig präziser zu überwachen und vorauszusagen, somit Therapien individueller anzupassen und die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien für Menschen mit MS zu beschleunigen.

Fast 19'000 Blutproben analysiert

Für die Studie wertete das Forschungsteam insgesamt 18'629 Blutproben von 2'329 Personen mit Multipler Sklerose aus. Die Daten stammen aus zwei grossen internationalen Langzeitkohorten: der Swiss Multiple Sclerosis Cohort (SMSC) sowie der EPIC-Studie der University of California, San Francisco. Im Fokus stand die Frage, ob Veränderungen der GFAP-Konzentration im Blut auf Progression unabhängig von Schubaktivität (genannt PIRA) hinweisen können. Diese Form der Krankheitsverschlechterung gilt als einer der wichtigsten Faktoren für die langfristige Behinderungsentwicklung bei Multipler Sklerose.

Erhöhte GFAP-Werte gehen mit höherem Progressionsrisiko einher

Die Analysen zeigten, dass Personen mit erhöhten GFAP-Werten ein signifikant höheres Risiko für eine spätere Behinderungszunahme aufwiesen. Gleichzeitig konnten die Forschenden beobachten, dass sinkende GFAP-Konzentrationen nach einer Therapieeinleitung mit günstigeren klinischen Verläufen verbunden waren. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die wiederholte Messung von GFAP im Blut wichtige Informationen über die Krankheitsentwicklung liefern kann. Damit könnte der Biomarker künftig helfen, Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Progressionsrisiko frühzeitig zu identifizieren.

Maximilian Einsiedler

«Durch die Analyse von nahezu 19.000 Blutproben, die über viele Jahre gesammelt wurden, konnten wir zeigen, dass erhöhte GFAP-Werte mit einem höheren Risiko für eine spätere Behinderungsprogression verbunden sind. Gleichzeitig gingen sinkende GFAP-Werte nach einem Behandlungsbeginn mit besseren klinischen Ergebnissen einher. Diese Erkenntnisse bringen uns einem personalisierten Behandlungsansatz für Menschen mit MS einen wichtigen Schritt näher.»

Dr. med. Maximilian Einsiedler, Erstautor der Studie

Prof. Jens Kuhle

«Unsere Studie zeigt, dass GFAP das Potenzial hat, das Monitoring des Krankheitsverlaufs zu verbessern, Behandlungsentscheidungen individueller zu gestalten und effizientere klinische Studien zur Verzögerung des Krankheitsfortschritts zu konzipieren.»

Prof. Dr. med. Dr. phil. Jens Kuhle

Ergänzung zu etablierten Biomarkern

GFAP (https://shiny.dkfbasel.ch/baselgfapreference) ergänzt den bereits besser etablierten Biomarker Neurofilament Light Chain (NfL; https://shiny.dkfbasel.ch/baselnflreference), der vor allem durch akute Entzündungsaktivität und Schübe entstehende neuroaxonale Schädigung widerspiegelt. Während NfL somit insbesondere Hinweise auf Schübe und entzündliche Prozesse liefert, scheint GFAP stärker mit biologischen Mechanismen der langfristigen Krankheitsprogression verbunden zu sein. Die Kombination beider Marker könnte deshalb einen differenzierteren Einblick in die der Erkrankung zugrunde liegenden Vorgänge ermöglichen und die klinische Beurteilung von Krankheitsverläufen verbessern.

Potenzial für klinische Studien und personalisierte Medizin

Die Forschenden sehen in GFAP nicht nur einen vielversprechenden Biomarker für die klinische Versorgung, sondern auch für die Entwicklung neuer Therapien. Durch die gezielte Identifikation von Personen mit erhöhtem Progressionsrisiko könnten zukünftige klinische Studien effizienter gestaltet und neue Behandlungsansätze gezielter untersucht werden. Die Studie stellt damit einen wichtigen Schritt in Richtung Präzisionsmedizin bei Multipler Sklerose dar. Blutbasierte Biomarker wie GFAP könnten künftig dazu beitragen, individuelle Krankheitsverläufe besser vorherzusagen, Therapieentscheidungen zu unterstützen und die Entwicklung wirksamer Behandlungen gegen die Krankheitsprogression voranzutreiben.

SMSC EPIC

Die Datenbasis


SMSC - Swiss Multiple Sclerosis Cohort

Stand 16. Juli 2026 (aktiv rekrutierend)

Zentren
8 (Aarau, Basel (Datenzentrum), Bern, Genf, Lausanne, Lugano, St. Gallen, Zürich)

Datenlage
- 2218 Patientinnen und Patienten
- 19'572 Visiten (medianes Follow-up: 6 Jahre)
- mehr als 93% Visiten mit Entnahme von Proben
- 15'947 NfL- und GFAP-Messungen
- 801 dokumentierte prospektive Schübe
- 13'232 standardisierte und evaluierte MRI-Untersuchungen des Gehirns
- 440'200 biologische Proben

Vom DKF unterstützt durch
Statistik, Regulatorik, Datenzentrum, Data Science, Monitoring

Website
SMSC - Swiss MS Cohort

 

EPIC-Studie

Stand 29. Juli 2026 (aktiv rekrutierend)

Zentren
1 (Sandler Neurosciences Center, San Francisco, CA, USA)

Datenlage
- über 500 Patientinnen und Patienten
- seit 2004, Follow-up von mehr als 10 Jahren
- jährliche Visiten
- MRI-Untersuchungen, Blutproben, genetische Analysen, Mikrobiom-Analysen und weitere biologische Untersuchungen

Website
UCSF MS EPIC Study

 

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