30. Juli 2026
Die internationale PediCAP-Studie bei Kindern mit schweren Lungenentzündungen zeigt: Bei klinischer Besserung ist der Wechsel von intravenösen auf orale Antibiotika ebenso wirksam wie eine rein intravenöse Behandlung. Der Spitalaufenthalt verkürzt sich im Schnitt um knapp einen Tag.
Lungenentzündungen sind weltweit die häufigste infektiöse Todesursache bei Kindern. Jährlich sterben über 700’000 Kinder unter fünf Jahren daran, besonders in Ländern mit begrenzten Ressourcen. Die PediCAP-Studie verglich eine WHO-Standardbehandlung von fünf Tagen intravenöser Antibiotikatherapie mit alternativen Strategien, die einen früheren Wechsel auf orale Antibiotika erlauben.
Studie in fünf Ländern
An der randomisierten Studie nahmen 1’101 Kinder im Alter von zwei Monaten bis sechs Jahren in 13 Spitälern in Afrika teil. Sie litten an schwerer ambulant erworbener Lungenentzündung ohne Komplikationen. Nach mindestens 24 Stunden intravenöser Therapie wurden drei Strategien miteinander verglichen: Wechsel auf orales Amoxicillin nach Besserung, Wechsel auf orales Amoxicillin-Clavulansäure, und intravenöse Therapie für weitere fünf Tage.
In den Gruppen, die oral verabreichtes Antibiotikum erhielten, wurde zusätzlich die Gesamtdauer der Behandlung (4–8 Tage) untersucht. Primärer Endpunkt war Tod oder erneute Hospitalisierung innerhalb von 28 Tagen.
Orale Therapie gleich wirksam
Der primäre Endpunkt trat bei 5,6 % (Amoxicillin), 6,9 % (Amoxicillin-Clavulansäure) und 6,3 % (intravenös) auf. Beide oralen Strategien waren der rein intravenösen Behandlung nicht unterlegen. Zwischen den beiden oralen Antibiotika zeigte sich kein Vorteil für die Kombinationstherapie. Aufgrund der besseren Verfügbarkeit und engeren Wirksamkeit wird Amoxicillin als bevorzugte orale Option gestützt.
Auch kürzere Gesamtbehandlungsdauern (4–7 Tage) waren nicht schlechter als längere Therapieschemata. Rund zwei Drittel der Kinder konnten bis Tag drei auf orale Therapie umgestellt werden. Der Spitalaufenthalt war im Mittel um 0,9 Tage kürzer als bei rein intravenöser Behandlung. Unterschiede bei Nebenwirkungen waren insgesamt gering und nicht konsistent.

Prof. Julia Bielicki, Co-Erstautorin
Klinische Professorin für Pädiatrische Klinische Pharmakologie an der Universität Basel, Leiterin des Pädiatrischen Forschungszentrums und Leitende Ärztin Infektiologie / Vakzinologie / Migrationsmedizin am Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) sowie DKF-Forschungsgruppenleiterin
(Quelle: City St George’s, University of London; aus dem Englischen übersetzt)
Bedeutung der Ergebnisse
Die Studie spricht dafür, Kinder, deren Zustand sich nach initial intravenöser Therapie verbessert, frühzeitig auf orales Amoxicillin umzustellen. Dadurch lassen sich Spitalaufenthalte reduzieren, was für Familien und Gesundheitssysteme relevant ist, ganz besonders in Ländern mit begrenzten Ressourcen.
Die Ergebnisse gelten nicht für kritisch kranke Kinder oder solche mit Komplikationen. Da Anpassungen der Behandlung erlaubt waren, bildet die Studie die klinische Praxis realitätsnah ab und liefert eine Grundlage für die Überprüfung internationaler Leitlinien.

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Oral step-down, optimal drug, and total duration of antibiotic treatment in African children hospitalised with severe community-acquired pneumonia
Leitung
Prof. Mike Sharland, City St George’s, University of London
Studiendesign
Internationale, multizentrische, offene, randomisiert-kontrollierte faktorielle Studie mit Überlegenheits- und Nichtunterlegenheitsvergleichen
Studienzentren
13 Spitäler in Südafrika, Uganda, Sambia, Simbabwe und Mosambik
Anzahl Studienteilnehmende
1’101 Kinder im Alter von zwei Monaten bis sechs Jahren
Projektdauer
5 Jahre, März 2019 bis März 2024
Funding
European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP2), unterstützt durch die Europäische Union