18. August 2026
Eine randomisierte Studie aus der DKF-Forschungsgruppe von Prof. Christina Stadler untersuchte die Umsetzung und Wirksamkeit der webbasierten START NOW-Intervention bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Schweizer Jugendhilfeeinrichtungen.
Jugendliche in stationären Jugendhilfeeinrichtungen sind häufig mit belastenden Lebensereignissen, Traumatisierungen und psychischen Problemen konfrontiert. Gleichzeitig bestehen oft Hürden beim Zugang zu evidenzbasierten psychologischen Unterstützungsangeboten. Vor diesem Hintergrund entwickelte ein Forschungsteam der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel und der Universität Basel die digitale Version des Skills-Trainings START NOW, das Kompetenzen zur Emotionsregulation, Stressbewältigung und Resilienz fördern soll.
In der nun in Child and Adolescent Psychiatry and Mental Health veröffentlichten cluster-randomisierten Studie nahmen 164 Jugendliche und junge Erwachsene (Alter: 14–24 Jahre) aus 27 Jugendhilfeeinrichtungen in der Deutsch- und Westschweiz teil. Die Einrichtungen wurden einer von drei Bedingungen zugeteilt: einer webbasierten START-NOW-Gruppenversion mit geschulten Fachpersonen, einer reinen Selbsthilfe-Version der Web-App oder der üblichen Betreuung (Treatment as Usual, TAU). Über einen Zeitraum von neun Wochen wurden Veränderungen in psychischer Flexibilität, Resilienz, Wohlbefinden, Selbstwirksamkeit und psychischer Belastung untersucht.
Hohe Hürden bei Nutzung und Studienteilnahme
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in der Nutzung des Programms. Während Jugendliche in der begleiteten Gruppe im Median zehn der zwölf Module bearbeiteten, absolvierte mehr als die Hälfte der Teilnehmenden in der Selbsthilfe-Gruppe keine einzige Sitzung. Auch die Teilnahme an den Nachbefragungen stellte eine Herausforderung dar: Drei Monate nach Ende der Intervention lagen nur noch für rund 38 Prozent der Teilnehmenden Daten vor. Besonders ausgeprägt war der Rückgang in der Selbsthilfe-Gruppe. Sowohl die geringe Beteiligung in der Selbsthilfegruppe als auch die hohe Rate fehlender Fragebogendaten haben die Auswertung deutlich erschwert.
Die vorliegenden statistischen Ergebnisse weisen darauf hin, dass keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Studienarmen vorliegen. Weder die psychische Flexibilität – der primäre Endpunkt der Studie – noch Resilienz, Wohlbefinden, Selbstwirksamkeit, Angst- oder Depressionssymptome verbesserten sich durch die Web-App stärker als durch die übliche Betreuung. Diese Ergebnisse zeigten sich sowohl direkt nach der Intervention als auch nach drei und sechs Monaten.

Donja Brunner, PhD
Digitale Angebote benötigen aktive Begleitung
Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die neu entwickelte START NOW App in der aktuellen Umsetzung nicht wirksam ist. Eine begleitende qualitative Studie weist darauf hin, dass die digitalen Voraussetzungen und institutionellen Rahmenbedingungen jedoch nicht optimal waren, was die abschliessende Beurteilung neben anderen Limitationen einschränkt.
Die an der Studie beteiligten Forschenden betonen gleichzeitig, dass rein digitale Selbsthilfe-Angebote für diese Zielgruppe nur begrenzt geeignet erscheinen. Um nachhaltige Effekte durch START NOW zu erzielen und den Transfer der Skills in den Alltag zu ermöglichen, sind – wie bereits in vorherigen Studien gezeigt wurde – sowohl eine persönliche Schulung und Supervision der Mitarbeitenden als auch ein intensiveres Interventionsformat wichtig.
Hybride Ansätze, die digitale Werkzeuge mit persönlicher Unterstützung durch geschulte Fachpersonen kombinieren, können erfolgversprechend sein und sollten weiter erforscht werden.

Prof. Christina Stadler
START NOW steht für die Vermittlung von Strategien und Skills zur Förderung der psychischen Gesundheit für Kinder, Jugendliche, aber auch Fachpersonen und Eltern.
Leitung
Prof. Christina Stadler, Psychologische Klinikleitung, Klinik für Kinder und Jugendliche Universitäre Psychiatrische Kliniken (UPK) Basel
Donja Brunner, PhD, ehemals Klinik für Kinder und Jugendliche UPK Basel
Studiendesign
Cluster-randomisierte, kontrollierte klinische Studie, open-label
Studienzentren
27 Jugendhilfeeinrichtungen in der Schweiz (15 aus der Deutschschweiz und 12 aus der Westschweiz)
Anzahl Studienteilnehmende
164
Projektdauer
2022-2025
Vom DKF unterstützt durch
Data Management, Regulatorik, Statistik, Monitoring, Quality Management
Funding
Bundesamt für Justiz