16. September 2026
Eine kürzlich in Lancet Medical Imaging & Theranostics publizierte prospektive Registerstudie zeigt, dass die Behandlung mit [¹⁷⁷Lu]Lu-PSMA-I&T bei fortgeschrittenem, metastasiertem und therapieresistentem Prostatakrebs wirksam und gut verträglich ist. Der Wirkstoff kann in spitalinternen Radiopharmazien hergestellt werden und ist damit auch dort verfügbar, wo kommerzielle Präparate an Grenzen stossen.
Bei fortgeschrittenem, metastasiertem Prostatakarzinom sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt, sobald Hormontherapien und Chemotherapie ausgeschöpft sind. Die PSMA (Prostataspezifisches Membranantigen)-gerichtete Radioligandentherapie nutzt ein Trägermolekül, das an das prostataspezifische Membranantigen auf Tumorzellen bindet, und führt mithilfe des Radionuklids Lutetium-177 gezielt Strahlung auf den Tumor. Für den verwandten Wirkstoff [¹⁷⁷Lu]Lu-PSMA-617 belegen randomisierte Studien einen Nutzen. Für [¹⁷⁷Lu]Lu-PSMA-I&T, der in der Schweiz breit eingesetzt wird, fehlten bisher prospektive Daten aus mehreren Zentren.
333 Patienten an sieben Schweizer Zentren
Das Swiss PSMA Registry wurde von der Schweizerischen Gesellschaft für Nuklearmedizin aufgesetzt. Initiiert und geleitet wurde es von einem interdisziplinären Team des Universitätsspitals Basel und der Universität Basel aus verschiedenen Fachbereichen (Nuklearmedizin, Radiopharmazeutische Chemie, Onkologie, Urologie und DKF) – darunter die DKF-Forschungsgruppenleiter Prof. Damian Wild (Nuklearmedizin) und Prof. Cyrill Rentsch (Urologie).
Erfasst wurden zwischen Mai 2020 und Juni 2024 stark vorbehandelte Patienten, die im Rahmen der klinischen Routine behandelt wurden. 333 von ihnen erhielten mindestens einen Therapiezyklus und wurden in die Auswertung einbezogen.
Bei zwei Dritteln der Patienten sinkt der Tumormarker, Nebenwirkungen meist mild
198 Patienten (64%) zeigten ein Ansprechen im Sinne einer PSA (Tumormarker)-Reduktion, und 137 Patienten (45%) sogar eine PSA-Reduktion von 50%. Veränderungen des Blutbildes traten häufig auf, blieben jedoch überwiegend leicht. Schwere Nebenwirkungen traten vor allem als Anämie (9%) und und klinisch kaum relevante Lymphopenie (21%) auf. Lebensbedrohliche oder tödliche Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet, ebenso keine schweren Nierentoxizitäten. Bei 5% der Patienten führten therapiebedingte Nebenwirkungen zum Abbruch der Therapie.

Prof. Damian Wild, Leiter Nuklearmedizin, Universitätsspital Basel, und DKF-Forschungsgruppenleiter
Herstellung im Spital erweitert den Zugang
Die von der Abteilung für radiopharmazeutischen Chemie (Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin, USB) hergestellte und in der Nuklearmedizin eingesetzte Substanz [¹⁷⁷Lu]Lu-PSMA-I&T konnte als wirksame und gut verträgliche Behandlung bei fortgeschrittenem, metastasiertem, therapieresistentem Prostatakrebs bestätigt werden.
[¹⁷⁷Lu]Lu-PSMA-I&T lässt sich als nicht-kommerzielles Radiopharmazeutikum nach GMP-Standard direkt in nuklearmedizinischen Zentren herstellen. Wo der Zugang zu kommerziell gefertigten Radioligandentherapien durch Verfügbarkeit, Kosten oder Logistik eingeschränkt ist, kann dies die Versorgung verbessern.
![Ansprechen auf die Therapie: Die PSMA-PET/CT eines 66-jährigen Patienten mit mehrfach vorbehandeltem, metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom vor (links) und 13 Monate nach Beginn der Behandlung mit [¹⁷⁷Lu]Lu-PSMA-I&T (rechts). PSMA-Radioligandentherapie](https://dkf.unibas.ch/fileadmin/_processed_/2/7/csm_PSMA-Radioligandentherapie_e0530a1d53.jpg)
Universitätsspital Basel, Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin
PSMA-targeted radioligand therapy with [¹⁷⁷Lu]Lu-PSMA-I&T in metastatic castration-resistant prostate cancer
Leitung
Prof. Damian Wild, Leiter Nuklearmedizin
PD Dr. Guillaume P. Nicolas, Nuklearmedizin
Dr. Alin Chirindel, Nuklearmedizin
Dr. Andreas Bauman, Leiter Radiopharmazeutische Chemie
Prof. Frank Stenner, Onkologie
Prof. Arnoud J. Templeton, Onkologie
Prof. Cyrill A. Rentsch, Urologie
(alle Universitätsspital Basel)
Studiendesign
Prospektive, multizentrische, einarmige Registerstudie
Studienzentren
Sieben Zentren in der Schweiz (Basel, Bern, Lausanne, Luzern, St. Gallen, Zürich, Aarau)
Anzahl Studienteilnehmende
333 Patienten
Projektdauer
Mai 2020 – März 2025
Vom DKF unterstützt durch
Data Analysis/Statistik, Data Management
Funding
Swiss Hadron Foundation